30. Juni 2022

Lesestoff

Die Buchtipps des Sulzbacher Anzeigers

„Zukunftsmusik“ von Katerina Poladjan ist ein Roman über vier Leben am Wendepunkt. Dominique Fortier beschreibt in „Städte aus Papier – Vom Leben der Emily Dickinson“ eine der ungewöhnlichsten Frauengestalten des 19. Jahrhunderts. Kommissar Dupin löst in Jean-Luc Bannalecs „Bretonische Nächte“ seinen elften Fall.

„Zukunftsmusik“

Die Geschichte eines Aufbruchs: In der sibirischen Weite, tausende Werst östlich von Moskau, leben in einer Kommunalka auf engstem Raum Großmutter, Mutter, Tochter und Enkelin unter dem bröckelnden Putz einer vergangenen Zeit. Es ist der 11. März 1985, Beginn einer Zeitenwende, von der noch niemand etwas ahnt. Alle gehen ihrem Alltag nach. Der Ingenieur von nebenan versucht, sein Leben in Kästchen zu sortieren, Warwara hilft einem Kind auf die Welt, Maria träumt von der Liebe, Janka will am Abend in der Küche singen.

Katerina Poladjan wurde in Moskau geboren, wuchs in Rom und Wien auf und lebt in Deutschland. Sie schreibt Theatertexte und Essays, auf ihr Prosadebüt „In einer Nacht, woanders“ folgte „Vielleicht Marseille“ und gemeinsam mit Henning Fritsch schrieb sie den literarischen Reisebericht „Hinter Sibirien“. Sie war für den Alfred-Döblin-Preis nominiert wie auch für den European Prize of Literature und nahm 2015 bei den Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil. Für „Hier sind Löwen“ erhielt sie Stipendien des Deutschen Literaturfonds, des Berliner Senats und von der Kulturakademie Tarabya in Istanbul. 2021 wurde sie mit dem Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund ausgezeichnet. Mit „Zukunftsmusik“ stand Katerina Poladjan auf der Shortlist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2022 und wurde mit dem Rheingau Literatur Preis 2022 ausgezeichnet.

Katerina Poladjan: „Zukunftsmusik“
S. Fischer Verlag, 2022. 192 Seiten, 22 Euro.

„Städte aus Papier – Vom Leben der Emily Dickinson“

Emily Dickinson wurde 1830 in der Kleinstadt Amherst in Massachusetts geboren und starb 56 Jahre später im selben Haus. Sie trotzte den gesellschaftlichen Erwartungen ihrer Zeit, war nie verheiratet, hatte keine Kinder und verbrachte ihre letzten Jahre, ganz in Weiß gekleidet, zurückgezogen in ihrem Zimmer. Dort schrieb sie Hunderte von Gedichten, die sie nie veröffentlichen wollte – betörend schöne Zeilen über die Natur, über Einsamkeit, Schmerz, Glück, Ekstase, Liebe, den Tod und darüber, dass sie sich als Frau oft fehl am Platz fühlte.

Dominique Fortier, 1972 geboren, zählt zu den wichtigsten Stimmen der franko-kanadischen Literatur. Für ihren Roman „Au péril de la mer“ erhielt sie den Prix littéraire du Gouverneur Général, den höchsten Literaturpreis des Landes. „Städte aus Papier“ wurde 2020 mit dem Prix Renaudot Essai ausgezeichnet. Dominique Fortier lebt in Montréal.

Dominique Fortier: „Städte aus Papier – Vom Leben der Emily Dickinson“
Übersetzt von Bettina Bach
Luchterhand Verlag, 2022. 192 Seiten, 20 Euro.

„Bretonische Nächte – Kommissar Dupins elfter Fall“

Während der bretonische Sommer auch im Oktober frohgemut weitermacht, die Sonne vom Himmel strahlt und die Nächte lau sind, ereilt Kadegs Familie ein schwerer Schicksalsschlag. Seine 89-jährige Tante verstirbt, nachdem sie von einer Reihe „Vorzeichen des Todes“ heimgesucht wurde. Doch damit nicht genug, Kadeg wird auf ihrem Anwesen lebensgefährlich angegriffen.

Kommissar Dupin und sein Team sind bis ins Mark erschüttert und suchen auf dem Gelände der geschichtsträchtigen ehemaligen Abtei, die Kadegs Tante bewohnte, nach möglichen Gründen für die Tat. Bald mehren sich die Merkwürdigkeiten. Was hat es mit den sensationellen Vogelsichtungen an der Côte des Légendes auf sich, die Kadegs Tante kurz vor ihrem Tod notiert hat? Und welche Geheimnisse verbergen die anderen Familienmitglieder?

In einer der rausten und atemberaubendsten Gegenden der Bretagne, im hohen Norden, zwischen großen Meeresarmen, wildem Atlantik und betörenden Apfelwiesen entwickelt sich ein vertrackter und höchst persönlicher Fall.

Jean-Luc Bannalec ist der Künstlername von Jörg Bong. Er ist in Frankfurt am Main und im südlichen Finistère zu Hause. Die ersten acht Bände der Krimireihe mit Kommissar Dupin wurden für das Fernsehen verfilmt und in zahlreiche Sprachen übersetzt. 2016 wurde der Autor von der Region Bretagne mit dem Titel „Mécène de Bretagne“ ausgezeichnet. Seit 2018 ist er Ehrenmitglied der Académie littéraire de Bretagne.

Jean-Luc Bannalec: „Bretonische Nächte – Kommissar Dupins elfter Fall“
KiWi-Paperback, 2022. 336 Seiten, 17 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert